Bericht aus dem Wochentip Mittwoch 9.06.2004-07-25
Oldtimer sind "die stille Reserve" der Soester Wehr
Soest, (tom) Wüsste man nicht, dass in diesem leerstehenden Gebäude
das Feuerwehrmuseum Soest beheimatet ist, das über die Grenzen der
Region hinaus bekannt ist - man würde achtlos daran vorbeigehen. So
aber betreten wir die Fahrzeughalle 22 in der ehemaligen belgischen Canal-van-Wessem-Kaserne,
in der dicht gedrängt fast 20 alte Feuerwehrfahrzeuge, dazu alte Drehleitern
und sogar Löschhandpumpen aus dem Jahren 1869 bis heute stehen. All
diese Löschgeräte und Fahrzeuge sind heute noch voll einsatzfähig;
und das dem so ist, dafür zeichnet der Förderverein Feuerwehrmuseum
mit heute rund 25 Mitgliedern verantwortlich. "Man könnte uns
fast als die 'stille Reserve der Soester Feuerwehr bezeichnen", lacht
Roland Baumann, der uns in der Halle begrüßt und dann durch das
Museum führt. Was dort an Fahrzeugen steht, lässt nicht nur die
Augen von Feuerwehrleuten glänzen. Namen wie Margirus, Mercedes, Borgward
- in Feuerwehr-Rot gestrichen -lassen die Erinnerung an unzählige gerettete
Menschenleben aufkommen. Sogar ein Feuerwehr-Trabbi befindet sich unter
den Autos.
Das älteste motorisierte Fahrzeug ist gleichzeitig das erste Feuerwehrauto,
das die Soester Wehr nach dem Krieg im Jahr 1952 erhielt: Ein TLF 15 von
Magirus, dass immerhin 1.500 Liter in der Minute über ein Feuer ergießen
konnte; 2.000 Liter fasst der Tank insgesamt. Da damals keine öffentlichen
Mittel für das Fahrzeug vorhanden waren, finanzierte die Freiwillige
Feuerwehr das neue rote Auto mit einer Bevölkerungs-Lotterie. 40 Jahre
lang - von 1952 bis 1992 tat es Dienst für die Feuerwehr, bevor es
dann dem Feuerwehr-Museum übergeben wurde. Heinz Theuerkauf etwa, mit
fast 80 Jahren ältestes Mitglied und für die Bekleidungskammer
des Museums zuständig, ist mit diesem Fahrzeug regelmäßig
in den Einsatz gefahren.
Auch heute noch könnte das Fahrzeug eingesetzt werden, bestätigt
Roland Baumann, der Motor ist mit 95 Pferdestärken
allerdings etwas schwach auf der Brust; moderne Fahrzeuge haben etwa die
dreifache Motorleistung.
Dass sich die Fahrzeuge in einem so guten Zustand befinden, ist vor allem
dem Einsatz der ehrenamtlichen Museums-Betreuer zu verdanken. Wie zum Beispiel
Horst Gerlach, Rolf Gerlach, Walter Veehuis und Markus Baumann. Sie sind
- genau wie Roland Baumann - aktive oder ehemalige Feuerwehrleute, und fast
alle haben auch ein Handwerk gelernt. Rost beseitigen, mechanische Schäden
beheben, die Hydraulik in Schuss halten - dies zählt zu den normalen
Arbeiten am Wochenende. Zwischen zehn und 80 Jahre sind die Mitglieder alt.
Senior des Vereins ist Heinz Theuerkauf.
Wie es zur Gründung des Feuerwehrmuseums kam; was der Förderverein
in den vergangenen Jahren für die Pflege der alten Fahrzeuge getan
hat. Und was er den Besuchern anbieten kann, lesen Sie weiter...
Viele Oldtimer vor dem Verschrotten gerettet.
Heinz Theuerkauf ist mit fast 80 Jahren ältestes Mitglied im Förderverein.
Diesen alten Magirus-Feuerwehrwagen hat er noch selbst im Einsatz gefahren,
heute pflegt er mit seinen Helfern Fahrzeuge und alte Feuerwehr-Ausrüstung
im Museum.
Fotos (2): Thomas Ankele
Soest, (tom) Die Geschichte des Soester Feuerwehr-Museums begann eigentlich
vor 20 Jahren: Unter einer zusammengebrochenen Scheune entdeckte man zufällig
eine alte Handdruckspritze. Beim näheren Hinsehen stellte sich heraus,
dass es sich um die alte Spritze handelte, die die Soester Feuerwehr im
Jahr 1869 angeschafft hatte. Rasch war den Findern klar, um welch wertvolles
Stück es sich da handelte. Ein Freund alter Feuerwehrgeräte übernahm
die Restaurierung. Mit der Zeit fand sich eine Gruppe gleichgesinnter zusammen,
die in mühseliger Arbeit Exponate sammelte, aufarbeitete und ausstellte.
Löschfahrzeuge, Leitern, Gerätefahrzeuge, Anhänger und sogar
ausgediente Feuerwehrausrüstung landeten in dem Museum. Sie wurden
repariert und oft auch von befreundeten Feuerwehren ausgeliehen, um etwa
bei Festen den Besuchern zu demonstrieren, wie früher gerettet wurde.
Besonders begehrt, so erzählt Roland Baumann, sind alte Uniformen.
Die Exponate im Museum Soest stammen in erster Linie von Feuerwehren in
Soest, Lippetal oder Warstein, die Fahrzeuge ausgemustert und dem Museum
geliehen oder für den symbolischen Euro überlassen haben. Bei
Außerdienststellung waren die meisten Oldtimer immer noch in einem
prima Zustand, weil die freiwilligen Wehren auch ihr älteres Material
mit Hingabe und Sorgfalt pflegen; meist in ihrer Freizeit. "Leider"
so bedauern Roland Baumann und Horst Gerlach "hat man in den 60er und
70er Jahren den Wert solcher Fahrzeuge nicht richtig eingeschätzt."
Zahlreiche Feuerwehr-Fahrzeuge - so etwa ein Opel Blitz - landeten deshalb
auf dem Schrott. "Besonders wütend werde ich, wenn solch ein Auto
in einen 'Durstlöschzug' umgebaut wurde", schimpft Roland Baumann.
Die Erfahrungen der Mitglieder im Förderverein Feuerwehr-Museum bei
der Pflege und Restaurierung werden inzwischen auch gerne von anderen Oldtimer-Fans
in Anspruch genommen. Etwa bei Oldtimer-Treffen oder Ausfahrten: Wo bekommt
man Ersatzteile her? Wie komme ich an einen passenden Radschlüssel
für die Schrauben eines Bordward-Löschfahrzeugs? Wie komme ich
an neue Bremsleitungen heran? Viele Oldtimer-Fans rufen sogar für fachkundigen
Rat an; immerhin geben viele technische Zeichnungen, die sich im Archiv
des Museums befinden, Auskunft über Details.
Auch die Aktiven des Feuerwehr-Museums sind auf Kontakte, auf Hilfe und
auf Geldmittel angewiesen - zumal sie sich ehrenamtlich einsetzen. So gibt
es zum Beispiel in der Region keinen Schmied mehr - so sagen Roland Baumann
und Horst Gerlach-, der die Radreifen historischer Kutschen reparieren kann.
Kontakt haben die Soester jetzt zum Freilichtmuseum Hagen aufgenommen. Dort
soll es noch solch einen Experten geben.
Bei all der Arbeit, die die freiwilligen Helfer in die alten Geräte
und Autos investiert haben, sind sie natürlich richtig stolz auf die
solide Technik: "Wir könnten heute zum Einsatz herausfahren",
berichten sie. Die robuste Mechanik in den meisten Fahrzeugen hat es ihnen
angetan. "Die neue Technik ist nicht immer das Wahre." Denn ein
defektes Relais kann ein ganzes Fahrzeug lahm legen.
An jedem I.Sonntag im Monat hat das Feuerwehr-Museum Soest seine Pforten
für Besucher geöffnet (oder nach Vereinbarung). Und die 25 Aktiven
nehmen sich viel Zeit, den Besuchern die Löschgeräte zu erklären.
Denn schließlich wollen sie vermitteln, wie vor 50 Jahren gelöscht,
gerettet und geborgen wurde.
• Info: Das Feuerwehr-Museum Soest kann am I.Sonntag im Monat von
10 bis 12 Uhr besichtigt werden in der Kanal-van-Wessem-Kaserne. Mitglieder
in dem Verein sind herzlich willkommen, der Jahresbeitrag beträgt für
natürliche Personen 30 Euro, für juristische Personen (Kommunen,
Verein, Firmen) 60 Euro. Der Förderverein kann Spendenquittungen ausstellen,
die Bankverbindung lautet: Konto 3018868 bei der Sparkasse Soest, BLZ 41450075.
Anmeldung von Besuchen oder Informationen erteilt auch das Kultur- und Informationsamt
der Stadt Soest, Telefon 02921 / 103-323.
Das Soester Feuerwehr-Museum ist eigentlich ganz leicht zu finden, wenn
auch leider nicht ausgeschildert: Befährt man die Bundesstraße-1
durch das Soester Stadtgebiet, stößt man auf die Kreuzung mit
der Bundesstraße 229 Richtung Möhnesee/ Arnsberg. Man wendet
sich in diese Richtung, also nach links. An der nächsten Kreuzung (am
Neubau Mercedes Sternpark)
fährt man links in ein Wohngebiet mit drei Hochhäusern. Die dritte
Straße (Hiddingser Weg) fährt man rechts ab. Nach einigen hundert
Metern sieht man links ein altes Kasernengelände, die ehemalige Kanaal-van-Wessem-Kaserne.
Fährt man die letzte Einfahrt links auf das Gelände, liegt das
Feuerwehr-Museum rechter Hand in einer Fahrzeug-Halle.
Robust, spartanisch, aber immer noch zuverlässig - so demonstrieren sich die alten Feuerwehr-Autos und Gerätschaften im Feuerwehr-Museum Soest. Sie könnten heute noch in den Einsatz fahren und Leben retten. Fotos: Thomas Ankele